Was du über Reaktionsvideos wissen solltest

Manche Videos werden erst richtig gut, wenn jemand darauf reagiert oder sie witzig kommentiert – vielleicht sind deshalb Reaktionsvideos so beliebt? Hier kann man sich am Content anderer abarbeiten: Videos abfeiern und den Creatorn dadurch mehr Aufmerksamkeit verschaffen. Sich mal ausgiebig aufregen oder die eigene Meinung deutlich machen.   

Im Netz gibt es viele Tipps und Anleitungen zu dem Thema. Leider kommen Erklärungen zum Rechtlichen oft zu kurz. Wir haben dir die wichtigsten Punkte (zum rechtlichen Rahmen) zusammengestellt. Aber Achtung: Unsere kurze Übersicht stellt weder eine abschließende noch verbindliche Rechtsauskunft dar. Die rechtliche Beurteilung hängt immer vom konkreten Einzelfall ab. 

Was in Reaktionsvideos nichts verloren hat

Gewalt, Pornos & Co.

Du kennst vielleicht Videos, bei denen Leute auf Schock-, Ekelvideos oder ganze Websites reagieren. Oft sieht man nur die Reaktionen, die Originale sind verpixelt oder werden nicht gezeigt.  

Sei bei sowas vorsichtig! Es gibt Videos und Websites, die nicht weiterverbreitet werden dürfen, andere sind sogar verboten. Nimmst du hierzu Reactions auf, kannst du dir Ärger einhandeln. Das Original muss nicht einmal zu sehen sein. Es kann schon reichen, wenn du den Namen des Videos oder der Website nennst.  

Es gibt viele Leute, die nach den Originalen suchen und es hinterher bereuen sie gesehen zu haben. Du willst dir deine Follower sicher nicht vergraulen!

Beleidigungen & Cybermobbing

Wenn du auf Content reagierst, zu dem du eine ganz andere Meinung hast - Bleib immer fair und überlege dir vor dem Hochladen, ob du jemanden ernsthaft beleidigen oder verletzen könntest.

Reaktionsvideos, z. B. bei YouTube oder TikTok, werden immer wieder dazu missbraucht, um einzelne Leute fertig zu machen. Manchmal fängt es harmlos an und schaukelt sich dann hoch. Das ist besonders fies, wenn Leute mit vielen Followern gegen kleinere Accounts hetzen. Oft hat das zur Folge, dass die Betroffenen ihre Profile privat stellen oder sich ganz abmelden. So werden sie nicht nur durch Inhalte bloßgestellt, sondern von der Nutzung ausgeschlossen. Das kann sehr schmerzhaft und folgenreich sein.

Außerdem kann Cybermobbing rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Ist z. B. die Schwelle zur Beleidigung überschritten, kann das zur Anzeige gebracht werden.

Welche Rechte du auch beachten solltest

Da du bei Reaktionsvideos auf den Content anderer reagierst und diesen zeigst, solltest du noch ein paar weitere rechtliche Dinge wissen.

Urheberrecht

Nach Einschätzung vieler Juristinnen und Juristen wird das Urheberrecht bei vielen Reaktionsvideos verletzt. Eigentlich darf man nicht einfach die Videos von anderen verwenden und daraus eigenen Content erstellen. Wenn eine Person nicht möchte, dass du ihr Video verwendest, kann es zu einer “Abmahnung” kommen.  

Eine Abmahnung enthält die außergerichtliche Aufforderung, ein bestimmtes Verhalten in Zukunft zu unterlassen (und gegebenenfalls Schadensersatz und Anwaltskosten zu zahlen). Bei Reaktionsvideos würdest du also z. B. dazu aufgefordert das von dir gepostete Video zu löschen. Oder das fremde Material  zu entfernen und diese Ausschnitte auf diese Weise auch in Zukunft nicht mehr einzubinden. Zur Unterlassung sollst du dich durch die Abgabe einer entsprechenden Erklärung verpflichten, je nachdem wie alt du bist müssen deine Eltern das für dich unterschreiben. Verstößt du gegen diese Verpflichtung, kann es sein, dass du eine Strafe bezahlen musst.

Oft ist es so, dass beide Kanäle von einem Reaktionsvideo etwas haben, z. B. eine größere Reichweite. Wenn sich niemand beschwert, kommt es zu einem “stillschweigenden Einverständnis”.  Manchmal ist es auch wie ein Ritterschlag in einem Reaktionsvideo eines bekannten Creators vorzukommen. Von einem Einverständnis solltest du aber nie einfach ausgehen – Egal wie es rechtlich aussieht, ist es fairer vorher zu fragen.

Zitatrecht

Das Urheberrecht kann durch das Zitatrecht eingeschränkt werden. So wie du aus einem Buch zitieren kannst, kannst du auch aus einem Video zitieren. Dafür gelten strenge Voraussetzungen.  

Das Zitatrecht gilt nur, wenn:  

  • du klar machst, von wem das Original ist (Quellenangabe),
  • das Originalvideo nicht verändert wird,
  • es kein geleaktes, geklautes oder heimlich gefilmtes Material ist,  
  • das zitierte Video nur als „fremde Zutat“ in deinem Video vorkommt und
  • du mit dem Zitat eigene Aussagen belegst oder erörterst.

Achte besonders darauf, dass die fremden Videos dein eigenes nicht nur ausschmücken, sondern du dich wirklich mit dem Inhalt auseinandersetzt. Bloße Kommentierungen wie z.B. „Schaut mal wie cute“ reichen nicht aus! Es muss eine “neue selbstständige Leistung” und “geistige Auseinandersetzung” erkennbar sein.

Glaub bitte keinen Tipps, die das zu stark vereinfachen. In manchen Videos wird behauptet, man müsse das Original nur in bestimmten Zeitabständen pausieren, z. B. alle 30 Sekunden. So einfach ist es leider nicht. Der erlaubte Umfang eines Zitats richtet sich nach dem jeweiligen Zitatzweck: je länger du aus dem fremden Video zitierst, desto mehr musst du dich damit inhaltlich auseinandersetzen. Wenn du absolut sicher gehen willst kein Urheberrecht zu verletzen, musst du auf die Verwendung von fremdem Material verzichten.

Recht am eigenen Bild

Bei Videos ist es wie bei Bildern. Wenn andere zu sehen sind, brauchst du prinzipiell deren Einverständnis für die Veröffentlichung. Stimmt jemand zu, gilt das oftmals nur für dieses “Original”. Willst du ein Reaktionsvideo erstellen, brauchst du somit grundsätzlich auch dafür die Erlaubnis der gezeigten Personen oder je nach Alter von deren Erziehungsberechtigten.

Gibt es einfache Tipps?

Leider nein, Gesetze sind immer kompliziert und die rechtliche Bewertung ist einzelfallabhängig. Selbst wenn du dich an unsere Tipps hältst, ist das keine Garantie, dass du rechtlich auf der sicheren Seite bist. Zeigst du Ausschnitte aus einem fremden Video, kann es immer sein, dass du ein Gesetz bzw. Rechte Dritter verletzt. Sei also besser vorsichtig!

Tipp:

Wenn dich der rechtliche Hintergrund interessiert und du genauer Bescheid wissen möchtest, schau in das YouTube-Video von dem Rechtsanwalt Christian Solmecke.