Symbolbild für Cybermobbing, viele gegen einen.

Online fertiggemacht - Was tun bei Cybermobbing?!

Du suchst nach Hilfe, weil du von Cybermobbing betroffen bist? Wende dich an eine Beratungsstelle! Unter “Hilfe” findest du eine kleine Übersicht.

Cybermobbing – Was ist das?

Cybermobbing oder Cyberbullying sind Ausdrücke für Mobbing, das online stattfindet, z. B. über TikTok, Instagram, YouTube, WhatsApp, tellonym, Games – oder über alle auf einmal. Gemeint ist das absichtliche Beleidigen, Bedrohen, Bloßstellen oder Belästigen anderer über einen längeren Zeitraum. Es werden z. B. gemeine Kommentare hinterlassen, bedrohliche private Nachrichten geschrieben oder Gerüchte verbreitet. Manchmal werden Fotos und Videos (verändert und) in anderen Kontexten wieder hochgeladen oder ganze Profile und Websites gegen eine Person erstellt. Auch das gezielte Ausschließen, z. B. aus einem Klassenchat oder einem Spiel kann Cybermobbing sein.  

Cybermobbing findet oft im Zusammenhang mit Mobbing z. B. in der Schule statt, kann aber auch unabhängig davon passieren. Zwischen Cybermobbing und Mobbing gibt es ein paar Unterschiede:

  • Cybermobbing ist weniger zeitlich und räumlich begrenzt. Es endet nicht mit der Schulglocke, es kann Tag und Nacht stattfinden.
  • Das Publikum ist unüberschaubar. Wenn deine Klasse sich gegen dich verschwört, ist das eine begrenzte Zahl von Leuten. Online sehen meist viel mehr Menschen die Übergriffe.
  • Inhalte können leicht geteilt oder gespeichert und wieder hochgeladen werden.
  • Wer die Täterinnen und Täter sind, ist nicht direkt zu erkennen. Menschen sind online manchmal gemeiner als offline. Das liegt oft daran, dass (gefühlte) Anonymität eine gewisse Sicherheit gibt und die Hemmschwelle sinkt.

Manche Täterinnen und Täter mobben, um sich besser zu fühlen. Andere wollen auf diesem Weg z. B. Aggressionen abbauen oder Anerkennung bekommen. Und manchen ist schlicht langweilig und ihnen fällt nichts Besseres ein. Der vorgeschobene Grund kann alles Mögliche sein: Mal ist es das Aussehen, mal die Herkunft, die sexuelle Neigung oder eine Behinderung. Eins ist klar: Cybermobbing betrifft richtig viele Menschen. Im Alter zwischen 12 und 19 gaben 38 % der Befragten der JIM Studie 2020 an, schon einmal mitbekommen zu haben wie im Bekanntenkreis jemand online fertig gemacht wurde.

Cybermobbing ist strafbar? Really!

Beleidigung, Verleumdung, Nötigung, Bedrohung, Nachstellung gelten auch im Netz als Straftatbestände. Zudem darf niemand Fotos und Videos ohne Erlaubnis der abgebildeten Person veröffentlichen. Dies gilt umso mehr, wenn die Darstellung sehr peinlich oder die Person nackt ist.

Solltest du dir unsicher sein, ob das, was dir passiert, strafbar ist, wende dich an eine erwachsene Vertrauensperson oder eine Beratungsstelle. Sie können dir bei der Einschätzung helfen und mit dir überlegen welche Strategie die beste für dich ist. Zusammen könnt ihr euch an die Polizei wenden. Manchmal kann eine anwaltliche Beratung der richtige Weg sein.

Wie kann ich mich vor Cybermobbing schützen?

Die schlechte Nachricht ist, dass du Cybermobbing nicht sicher verhindern kannst. Selbst wenn du das Internet nicht benutzt, können andere Inhalte über dich verbreiten – sogar ohne dass du das mitbekommst. Aber das heißt auf keinen Fall, dass dir das passieren muss!

Was du tun kannst:

  • Überlege dir, wie öffentlich du im Internet sein möchtest.
    Bei den meisten Social-Media-Diensten ist dein Profil voreingestellt öffentlich und kann über Suchmaschinen gefunden werden. Wir empfehlen dir, deine Profile auf privat zu stellen. So kannst du entscheiden, wer vollen Zugriff auf deine Inhalte hat. Nur wer die Inhalte sehen kann, kann sie speichern oder weiterverbreiten.

  • Erst denken, dann posten.
    Frage dich bei allem, was du verschickst und hochlädst: Würde ich das jedem auf der Straße zeigen oder verraten?

  • Wähle sichere Passwörter und halte sie geheim.
    Logg dich aus Accounts soweit möglich immer aus. Schütze dein Smartphone vor Zugriffen durch andere.

Wie kann ich mich wehren, wenn ich betroffen bin?

Bewahre einen kühlen Kopf.

Wenn du von Cybermobbing betroffen bist: Erstmal tief durchatmen und einen kühlen Kopf bewahren! Das sagt nichts über dich oder deinen Wert als Mensch aus. Mit dir ist alles in Ordnung und du bist nicht schuld! Manchmal merken Leute nicht, wie verletzend ihre Aussagen sind. Vor allem wenn sie deine Reaktion nicht sehen. Andere verletzen dich mit voller Absicht. Deren Meinung sollte dir dann erst recht egal sein.

Lass dich nicht provozieren.

Vielleicht hast du den Drang, Dinge klarzustellen, Gerüchten über dich zu widersprechen und dich zu wehren. Wenn du reagieren möchtest: Bleib sachlich. Fordere die Täterinnen und Täter auf, ihr Verhalten zu unterlassen, verweise vielleicht auf die rechtliche Lage. Du kannst ihnen natürlich sagen wie du dich fühlst - du musst aber nicht reagieren!

Sprich darüber!

Suche dir unbedingt Verbündete! Das können Menschen online wie offline sein. Sprich am besten mit einer erwachsenen Vertrauensperson darüber, vielleicht einem Elternteil, einer Lehrerin, deinem Onkel oder jemandem aus deinem Sportverein. Sie können dir helfen die Situation einzuschätzen und dich bei den nächsten Schritten unterstützen, z. B. zu entscheiden ob ihr eine anwaltliche Beratung suchen oder euch an die Polizei wenden wollt. Außerdem gibt es Beratungsstellen, die dir in so einer Situation gerne mit Rat zur Seite stehen - hier kannst du anonym bleiben, wenn du das möchtest.

Beweise sichern, Blockieren, Beschweren

  • Beweise sichern
    Speichere alle Vorfälle. Kopiere Links in ein Dokument, mach Screenshots von Profilen, Nachrichten usw. Falls Screenshots nicht möglich sind, kannst du deinen Bildschirm mit einem anderen Gerät abfotografieren. Das ist wichtig, damit du Vertrauenspersonen, die du zur Hilfe holst, zeigen kannst, was vor sich geht. Nur mit Beweisen könnt ihr euch an die Polizei wenden.

  • Blockieren
    Beschränke den Zugriff auf deine Profile, Kommentarfunktion und Privatnachrichten auf deine Kontakte. Überprüfe deine Kontaktliste und lösche ggf. Personen. Wenn es keine Einstellungen gibt, blockiere Personen einzeln. So kannst du verhindern, dass Täterinnen und Täter weiter Zugriff auf deine Inhalte haben und dich kontaktieren können.

  • Beschweren
    Melde die Inhalte beim Anbieter des Dienstes – Aber erst, wenn du schon bei der Polizei warst oder dich nicht an sie wenden möchtest. Wie das Melden bei einigen beliebten Diensten funktioniert, kannst du unter Kompass nachlesen. Reagiert der Anbieter nicht oder gibt es keine Möglichkeit etwas zu melden, kannst du dich an uns wenden, wenn die Inhalte öffentlich einsehbar sind. Wir versuchen dich bei der Löschung zu unterstützen.

Tipps findest du auch in der Cyber-Mobbing Erste-Hilfe App des klicksafe Youth Panels.

Wie kann ich Betroffenen helfen?

Betroffene leiden. Die kurzfristigen Folgen können z. B. Schlafstörungen oder Ängste sein. Langfristig können sie richtig krank werden. Psychisch und körperlich. Cybermobbing ist kein Spaß!

  • Mach nicht mit, wenn andere mobben. Auch nicht durch Signale, die zeigen könnten, dass du das Geschehen lustig findest.
    Entferne Kommentare und Bilder, wenn andere dich darum bitten! – Selbst wenn es lustig gemeint war, können sich andere durch deine Beiträge verletzt fühlen.
  • Schau nicht weg, wenn andere gemobbt werden, sondern setze dich für sie ein.
    Melde Cybermobbing, wenn du es siehst. Beim Anbieter des Dienstes und, wenn du damit keinen Erfolg hast, bei uns.
    Manchmal ist es schon eine große Hilfe, einen netten Kommentar oder eine Privatnachricht zu schreiben. Kommentiere aber nur öffentlich, wenn dein Profil ausreichend geschützt ist, damit du nicht selbst zum Ziel wirst. Manche legen sich extra ein Profil für solche Fälle an, um gefahrlos andere zu unterstützen.  
  • Bitte eine erwachsene Vertrauensperson um Hilfe, wenn du das Gefühl hast, dass jemand in Gefahr ist oder du mit der Situation überfordert bist.

Wenn du mehr über (Cyber-)Mobbing und die Folgen für die Betroffenen erfahren möchtest, schau doch mal ins Video Warum Mobbing Leben zerstört und was jede:r dagegen tun kann” vom YouTube-Kanal psychologeek.